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Cannabis & Medizin

Bundesgesundheitsministerium berichtet vom Stand geplanter Vorhaben zur arzneimittelrechtlichen Zulassung von Dronabinol und Sativex in Deutschland

Am 25. Januar 2010 sandte das Bundesgesundheitsministerium auf Bitte B√ľndnis 90/Die Gr√ľnen einen schriftlichen ‚ÄúBericht des Bundesministeriums f√ľr Gesundheit an den Ausschuss f√ľr Gesundheit des Deutschen Bundestages zu eigenen Ma√ünahmen und zum Stand geplanter Vorhaben zur arzneimittel- rechtlichen Zulassung Cannabis- und Dronabinol haltiger Medikamente in Deutschland und anderen europ√§ischen L√§ndern‚ÄĚ. Dabei geht es insbesondere um die angestrebte Zulassung von Dronabinol (synthetisches THC) durch das Unternehmen Bionorica Ethics sowie das Zulassungsverfahren von Sativex in Europa, die auch Deutschland betrifft. Der Bericht hat folgenden Wortlaut:

‚ÄúDas Bundesministerium f√ľr Gesundheit vertritt die Auffassung, dass Cannabis (THC) und seine Inhaltsstoffe nur bei ausreichender wissenschaftlicher Evidenz medizinisch angewendet werden sollten. Die Evidenz w√ľrde im Falle von zugelassenen Arzneimitteln als gegeben angesehen werden.

Gegenw√§rtig ist beim Bundesinstitut f√ľr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein Zulassungsantrags der Fa. Bionorica f√ľr ein Dronabinol-haltiges Arzneimittel anh√§ngig. Nach Angaben des Antragstellers wird eine Zulassung f√ľr die Indikationen Gewichtsverlust, √úbelkeit und Erbrechen bei AIDS, Krebserkrankungen und Krebschemotherapie angestrebt. Bei Dronabinol handelt es sich um Delta-9-Tetrahydrocannabinol, den Hauptinhaltsstoff von Cannabis Sativa.

Dronabinol (synthetisches THC) ist in Anlage III des Bet√§ubungsmittelgesetzes (BtMG) aufgef√ľhrt. Diese Anlage enth√§lt die verkehrs- und verschreibungsf√§higen Bet√§ubungsmittel. Im Falle einer positiven Zulassungsentscheidung w√§re die Verkehrsf√§higkeit ohne √Ąnderung bet√§ubungsmittelrechtlicher Vorschriften gegeben. Daneben ist einer Presse-Mitteilung der Firma GW Pharmaceuticals vom 20. Mai 2009 zu entnehmen, dass im Vereinigten K√∂nigreich und in Spanien ein Zulassungsantrag im Rahmen eines europ√§ischen dezentralisierten Verfahrens f√ľr das cannabisextrakt-haltige Fertigarzneimittel Sativex¬ģ eingereicht wurde, wobei das Vereinigte K√∂nigreich als verfahrenf√ľhrendes Land fungiert. Der Zulassungsantrag sei f√ľr die Anwendung bei spastischen Schmerzen durch Multiple Sklerose gestellt worden. Der Presse-Mitteilung zu Folge w√ľrden im Falle einer positiven Zulassungsentscheidung bei o.g. Verfahren dar√ľber hinaus in weiteren europ√§ischen L√§ndern im Jahr 2010 Zulassungsantr√§ge mittels des Verfahrens der gegenseitigen Anerkennung eingereicht werden.

Cannabis-Extrakt als Wirkstoff von Fertigarzneimitteln unterf√§llt der Anlage I des BtMG (nicht verkehrsf√§hige Bet√§ubungsmittel). Zur Herstellung der Verschreibungsf√§higkeit von Fertigarzneimitteln mit Cannabis-Extrakt als Wirkstoff w√§re deshalb eine teilweise Umstufung der Position ‚ÄúCannabis‚ÄĚ in den Anlagen des BtMG durch Rechtsverordnung nach ¬ß 1 Absatz 1 BtMG erforderlich.

Insoweit hat das Bundesministerium f√ľr Gesundheit den Bet√§ubungsmittel-Sachverst√§ndigeausschuss, der nach ¬ß 1 Absatz 2 Satz 1 BtMG vor jeder √Ąnderung der Anlagen des BtMG anzuh√∂ren ist, zun√§chst um fachliche Befassung mit dieser Thematik gebeten. In seiner Sitzung am 7. Dezember 2009 hat der Ausschuss Umstufungsm√∂glichkeiten ohne Beschlussfassung diskutiert. Sofern das o.g. europ√§ische Zulassungsverfahren f√ľr das cannabisextrakt-haltige (THC-haltige) Arzneimittel (Sativex¬ģ) positiv abgeschlossen und in Deutschland ein entsprechender Zulassungsantrag eingereicht w√ľrde, k√∂nnte ein Fachvotum des Sachverst√§ndigenausschusses zur Frage einer √Ąnderung der Anlagen des BtMG voraussichtlich zeitnah eingeholt werden. Die bislang fachliche diskutierten Umstufungsm√∂glichkeiten haben lediglich die Herstellung der Verkehrsf√§higkeit eines unter den Anforderungen des Arzneimittelgesetzes zugelassenen Fertigarzneimittels zum Gegenstand.

Insoweit ist der weitere Rechtstatus von Cannabis (nat√ľrliches THC) als nicht verkehrsf√§higes und damit verbotenes Bet√§ubungsmittel von diesen √úberlegungen nicht betroffen.‚ÄĚ

Informationen von der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e. V. (ACM)

Weiterf√ľhrende Informationen:

siehe auch:Der Bundesopiumstelle liegen 45 offene Anträge auf Ausnahmegenehmigungen zur medizinischen Verwendung von Cannabis vor

Mit freundlicher Unterst√ľtzung von www.drogen-info-berlin.de entnommen

Cannabis als Arzneimittel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Cannabisextrakt aus dem Jahr 1937

Die Verwendung von Cannabis als Arzneimittel hat eine Jahrtausende alte Tradition.[1][2][3]. Heute wei√ü man, dass die pharmakologischen Wirkungen von Cannabis ‚ąí wie etwa des getrockneten Cannabiskrautes (haupts√§chlich der Triebspitzen und Bl√ľtenst√§nde der weiblichen Pflanze, ‚ÄěMarihuana‚Äú), des Cannabisharzes (‚ÄěHaschisch‚Äú) und des Cannabis√∂ls ‚ąí auf Stoffe aus der Gruppe der Cannabinoide, allem voran auf das őĒ9Tetrahydrocannabinol (THC), zur√ľckzuf√ľhren sind. Die Diskussion, welchen medizinischen Wert Cannabis hat, h√§lt weiter an. Dennoch gibt es einige gut dokumentierte Anwendungsgebiete: Schmerzen, Krankheiten des St√ľtz- und Bewegungsapparates, Spastiken bei Multipler Sklerose, Arthritis, Depression, √úbelkeit, ErbrechenAnorexie. und

W√§hrend Cannabiskonsum in den meisten Staaten illegalisiert wird, sind in einigen von ihnen Cannabinoid-basierte Medikamente verf√ľgbar oder nat√ľrliches Cannabis nutzbar. Zu diesen Staaten geh√∂ren: Kanada, √Ėsterreich, Deutschland, die Niederlande, Spanien, Israel, Italien, Finnland, Portugal und einige Bundesstaaten der USA.

Inhaltsverzeichnis

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Geschichtliches [Bearbeiten]

√Ąlteste Hinweise auf die medizinische Verwendung datieren in das Jahr 2737 vor Christus, in dem der chinesische Kaiser Shen Nung das Harz des Cannabis als Heilmittel bei Beriberi, Verstopfung, Frauenkrankheiten, Gicht, Malaria, Rheumatismus und Geistesabwesenheit empfahl,[4] √ľberliefert durch das √§lteste bekannte Heilpflanzenkompendium Shennong ben cao jing.

In die europ√§ische Schulmedizin fand Cannabis Einzug √ľber den 1839 ver√∂ffentlichten Bericht des irischen Arztes William Brooke O‚ÄôShaughnessy (1809-1890), der im Rahmen seiner √§rztlichen T√§tigkeit w√§hrend seiner Stationierung im indischen Kalkutta eine schmerzstillende, krampfl√∂sende und muskelentspannende Wirkung nach Anwendung von Cannabis indicaRheuma, Cholera und Tetanus.[5] Ein popul√§res Cannabis-Fertigarzneimittel des 19. Jahrhunderts war das Schlafmittel Bromidia¬ģ in den USA, ein Elixir aus Cannabis- und Bilsenkrautextrakten in Kombination mit Kaliumbromid (‚ÄěBromkalium‚Äú) und Chloralhydrat.[6][7] Ansonsten waren besonders auch ethanolische Extrakte aus Cannabiskraut (Extractum Cannabis, Tinctura Cannabis) g√§ngig, die jedoch vor vielen Jahren aus den Arzneib√ľchern gestrichen wurden.[8] (indischer Hanf) feststellte. Auf Basis seiner Beobachtungen und Studien empfahl O‚ÄôShaughnessy die Anwendung von Cannabis bei

In der ersten H√§lfte des zwanzigsten Jahrhunderts verschwanden Cannabispr√§parate vom Markt: zum einen wurden moderne und besser wirksame Arzneimittel entwickelt, die vor allem nicht den gro√üen Nachteil einer fehlenden Standardisierung der Cannabispr√§parate zeigten. Zum anderen verhinderten rechtliche Einschr√§nkungen, die aufgrund des zunehmenden Missbrauchs von Cannabis als Rauschmittel notwendig wurden, die medizinische Verwendung (vgl. auch Einheitsabkommen √ľber die Bet√§ubungsmittel).

Die moderne Cannabis-Forschung begann mit der Isolierung des wichtigsten psychotropen9-THC im Jahre 1964. Zwanzig Jahre zuvor war in den USA der so genannte La-Guardia-Report erschienen, der Bericht eines vom New Yorker B√ľrgermeister eingesetzten Expertenkomitees, das viele dem Marihuana-Konsum zugeschriebene negative soziologische, psychologische und medizinische Auswirkungen nicht best√§tigt fand.[9] Daraufhin hatte der Leiter der damaligen US-amerikanischen Drogenbek√§mpfungsbeh√∂rde Federal Bureau of Narcotics (FBN), Harry J. Anslinger, angedroht jegliche weitere Forschungsarbeiten zu Cannabis hart zu bestrafen.[10] Wirkstoffes őĒ

Ein weiterer Meilenstein in der Cannabis-Forschung war die Entdeckung des Endocannabinoid-Systems mit seinen Rezeptoren und endogenen Liganden ab Ende der 1980iger Jahre, das die Basis f√ľr das Verst√§ndnis der Wirkungsweise der Cannabinoide bildet.

Arzneilich verwendete Stoffe und Zubereitungen [Bearbeiten]

Dronabinol [Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Dronabinol

Dronabinol ist eine zu őĒ9Tetrahydrocannabinol (THC) absolut strukturidentische Substanz, so dass beide Bezeichnungen teilweise synonym verwendet werden. Streng genommen bezeichnet Dronabinol aber nur den synthetisch hergestellten Stoff, der in Deutschland verkehrs- und verschreibungsf√§hig im Sinne des Bet√§ubungsmittelgesetzes ist. Fertigarzneimittel sind in Deutschland keine zugelassen, f√ľr die individuelle Therapie kann Dronabinol jedoch als Rezepturarzneimittel verordnet werden oder als Einzelimport gem√§√ü ¬ß¬†73 AMG aus den USA in Form des Pr√§parats Marinol¬ģ bezogen werden. Marinol ist in den USA zugelassen zur Behandlung der mit einem Gewichtsverlust einhergehenden Appetitlosigkeit (Anorexie) bei AIDS-Patienten sowie zur Behandlung von durch Zytostatika verursachte √úbelkeit und Erbrechen in der Krebstherapie.

Nabilon [Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Nabilon

Das ebenfalls synthetisch hergestellte Nabilon ist wie Dronabinol in Deutschland als Bet√§ubungsmittel verkehrs- und verschreibungsf√§hig, aber seit 1991 nicht mehr als Fertigarzneimittel im Markt. Pr√§parate gibt es beispielsweise noch in Kanada unter dem Namen Cesamet¬ģ oder in Gro√übritannien unter dem generischen Namen.[11] Sie sind angezeigt zur Behandlung von Appetitlosigkeit und Abmagerung (Kachexie) bei AIDS-Patienten sowie zur Behandlung von √úbelkeit und Erbrechen bei Chemo- und Strahlentherapie im Rahmen einer Krebstherapie.

Phytopharmaka [Bearbeiten]

Im Gegensatz zu Dronabinol sind pflanzliche Cannabisprodukte bzw. -zubereitungen (Phytopharmaka) in Deutschland gem√§√ü dem Bet√§ubungsmittelgesetz grunds√§tzlich nicht verkehrsf√§hig und k√∂nnen daher auch nicht √§rztlich verschrieben werden. Das Bundesinstitut f√ľr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist aber befugt, zu wissenschaftlichen oder anderen im √∂ffentlichen Interesse liegenden Zwecken ausnahmsweise eine Erlaubnis zu erteilen. 2005 hat das Bundessozialgericht in einem Urteil festgelegt, dass die Sicherstellung der notwendigen medizinischen Versorgung der Bev√∂lkerung einen im √∂ffentlichen Interesse liegenden Zweck im Sinne des ¬ß¬†3 Abs. 2 BtMG darstellt.[12] Betroffene Patienten k√∂nnen seitdem den Erwerb von Cannabis zur Anwendung im Rahmen einer medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie beantragen,[13] der in begr√ľndeten Ausnahmef√§llen genehmigt werden kann. 2007 wurde solch eine Ausnahmegenehmigung erstmals f√ľr eine an Multiple Sklerose erkrankte Patientin erteilt.

Pflanzliche Cannabiszubereitungen enthalten neben den Hauptwirkstoffen eine Reihe weiterer pharmakologisch wirksamer Cannabinoide, so dass sie sich in ihrem Wirkprofil von denen isolierter Einzelsubstanzen unterscheiden können.

Als Nebenwirkungen der Cannabis-Therapie k√∂nnen Schwindel, M√ľdigkeit, √úbelkeit, erh√∂hter Puls (‚ÄěHerzrasen‚Äú, Tachykardie), Blutdruckabfall, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, ger√∂tete Augen, psychiatrische St√∂rungen und eine Reihe weiterer unerw√ľnschter Wirkungen auftreten, die auch von der Art der Verabreichung, der Dosis und Therapiedauer sowie einer Vielzahl weiterer Faktoren abh√§ngen;[14][15] siehe dazu auch gesundheitliche Risiken des Cannabis-Konsums.

Medizinal-Cannabisbl√ľten [Bearbeiten]

Cannabisbl√ľten (lat. ‚ÄěCannabis flos‚Äú ) sind in den Niederlanden als verschreibungspflichtiges Arzneimittel f√ľr die Human- und Tiermedizin erh√§ltlich. Es sind drei Variet√§ten mit verschiedenen THC-Nenngehalten verf√ľgbar (Bedrocan, Bedrobinol und Bediol).[16] Der Hanf wird von der Firma Bedrocan B.V. in den Niederlanden unter staatlicher Aufsicht angebaut, der Handel untersteht dem Bureau voor Medicinale Cannabis (BMC). In Deutschland konnten Patienten Medizinal-Cannabisbl√ľten (‚ÄěMarihuana‚Äú) per beh√∂rdlicher Ausnahmegenehmigung zum ersten Mal im Februar 2009 legal aus der Apotheke beziehen.[17]

Cannabisextrakt [Bearbeiten]

Auf Drogenextrakten basierende Arzneimittel k√∂nnen durch mengenm√§√üige Variation der Extrakte auf feste Wirkstoffgehalte standardisiert werden. Das Fertigarzneimittel Sativex¬ģ etwa enth√§lt zwei Extrakte, die aus Bl√§ttern und Bl√ľten von Cannabis sativa durch Auszug mit fl√ľssigem Kohlendioxid hergestellt werden[15] und ist auf feste Gehalte an THC und CannabidiolSublingualspray formuliert, da THC √ľber die Mundschleimhaut besonders gut resorbiert wird, und in Kanada zugelassen zur begleitenden Behandlung von neuropathischen Schmerzen bei Multipler Sklerose und zur Schmerzbehandlung von Krebspatienten, bei denen eine Therapie mit Opioiden nicht anschl√§gt. Einen ersten Zulassungsantrag in Gro√übritannien, D√§nemark, Spanien und den Niederlanden hatte der Antragsteller GW Pharmaceuticals Anfang 2007 zur√ľckgezogen, nachdem die Zulassungsbeh√∂rden der L√§nder die therapeutische Wirksamkeit von Sativex als nicht hinreichend bewiesen beurteilten.[15] Im Mai 2009 stellte die Firma erneut einen Zulassungsantrag in Gro√übritannien und Spanien.[18] eingestellt. Es ist als

Weitere auf Cannabisextrakt basierende Mittel, die auf einen festen Gehalt an THC und ggf. auch anderer Cannabinoide standardisiert sind, sind in der Entwicklung (Kapseln f√ľr die perorale[19][20] Verabreichung, Sublingualtabletten).

Sonstige [Bearbeiten]

Strukturell kein Cannabinoid, jedoch pharmakologisch wirksam am Cannabinoid-Rezeptor 1 ist das Rimonabant. Der Stoff wurde als Appetithemmer in der Behandlung der krankhaften Fettleibigkeit verwendet, bis 2008 der Hersteller das Mittel wegen des Auftretens schwerer psychiatrischer Störungen auf Druck der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) vom Markt nahm.

Nicht arzneilich verwendet werden das Hanföl und das ätherische Hanföl. Ebenfalls nicht arzneilich verwendet wird das antiemetisch und psychoaktiv wirksame THC-Strukturanalogon Levonantradol.

Therapeutische Bedeutung [Bearbeiten]

Der Stellenwert der verf√ľgbaren Fertigarzneimittel wird als nicht sehr hoch eingesch√§tzt.[6][6] Es handele sich um Mittel der zweiten Wahl, da in der Regel Mittel mit besserem Nutzen-Risiko-Verh√§ltnis verf√ľgbar seien, die Zahl der Indikationen sei gering. Dennoch h√§tten sie einen Wert als therapeutische Option f√ľr Patienten, die auf die Standardtherapien nicht anspr√§chen. Von Cannabis abgeleitete Stoffe und Zubereitungen werden f√ľr eine Reihe weiterer Indikationen als potentielle Therapeutika diskutiert.

Pflanzlichen Cannabisprodukten wird ein möglicher positiver Effekt bei Spastizität im Zusammenhang mit multipler Sklerose, bei spastischen Lähmungen, Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit Chemo- und Strahlentherapie bei Krebserkrankungen und HIV-Medikation, chronischen neuropathischen Schmerzen, dem Tourette-Syndrom und in der palliativen Behandlung von Krebs und AIDS zugesprochen, wenngleich eine therapeutische Wirksamkeit wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist.[21]

Die genannten Anwendungsgebiete ergeben sich im Wesentlichen aus den Wirkungen der Inhaltsstoffe THC und Cannabidiol: da es bei Krebskranken als Nebenwirkung der Chemotherapie oft zu gro√üer √úbelkeit und Erbrechen kommt und auch schon alleine der Geruch von Essen unertr√§glich sein kann, kann Cannabis durch seine antiemetische (Brechreiz lindernde) Wirkung diese √úbelkeit vermindern und durch seine appetitanregende Wirkung zu der erw√ľnschten Gewichtszunahme f√ľhren. Den appetitanregenden Effekt von Cannabis macht man sich auch in der AIDS-Therapie zu Nutze. Neben der Therapie ist es n√§mlich oft mangelnde Nahrungsaufnahme, die den K√∂rper zus√§tzlich schw√§cht.

Die antiataktische (Bewegungsabl√§ufe koordinierende) und antispastische (d.¬†h. krampfl√∂sende) Wirkung der Cannabis-Wirkstoffe begr√ľndet die Anwendung zur Unterdr√ľckung von Spasmen, L√§hmungen und Kr√§mpfen, wie sie bei Multipler Sklerose auftreten. Es kann die Krankheit zwar nicht heilen, aber die Symptome der Krankheit unterdr√ľcken und dem Patienten so sein Leben erleichtern.

Es gibt Hinweise, dass Cannabis bei Krebs und gewissen Autoimmunerkrankungen positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben kann.[22] Claudia Jensen, Kinder√§rztin der Universit√§t S√ľdkalifornien, h√§lt Cannabis f√ľr die Therapie von ADS und ADHS geeignet.

Aus Sicht mancher Patienten soll Cannabis durch Rauchen heilsamer wirken, da die komplexe Wirkstoffkombination besser resorbiert werde und zur Wirkung komme.

In Deutschland setzt sich die ‚ÄúInternationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin‚ÄĚ kurz IACM (fr√ľherer Name: ‚ÄúArbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin‚ÄĚ, AMC) seit 1997 f√ľr die medizinische Verwendung von Cannabis ein.

In Afrika und Asien wird Cannabis volksmedizinisch zur Behandlung von verschieden Schmerzen, von Menstruationskrämpfen sowie in der Geburtshilfe zur Erhöhung der Kontraktionsfrequenz der Gebärmutter und zur Blutstillung verwendet.

IOM-Report [Bearbeiten]

1999 ver√∂ffentlichte das US-amerikanische Institute of Medicine (IOM) der National Academy of Sciences den Report ‚ÄěMarijuana and Medicine: Assessing the Science Base‚Äú, der den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse √ľber die Wirkungen und Risiken der medizinischen Verwendung von Cannabis bzw. Cannabinoiden zusammengefasste.[23] Er beschreibt die Wirksamkeit und den therapeutischen Wert von Cannabinoiden, vor allem THC, f√ľr die Behandlung von Schmerz, Krankheiten des St√ľtz- und Bewegungsapparates, Spastiken bei Multipler Sklerose, Arthritis, Depression, √úbelkeit, Erbrechen und Anorexie. Dem Nutzen st√ľnden jedoch deutliche Risiken durch das Marihuana-Rauchen gegen√ľber. Die Zukunft des Einsatzes von Cannabinoiden in der medizinischen Behandlung liege deshalb nicht im Rauchen von Marihuana, sondern in synthetischen Substanzen, die auf das k√∂rpereigene Cannabinoid-System wirken. Bis solche Substanzen entwickelt werden, empfehlen die Autoren √úbergangsl√∂sungen. Besonders f√ľr Patienten, die an chronischen Schmerzen, Nebenwirkungen einer Chemotherapie oder AIDS leiden und bei denen eine Cannabis-Therapie indiziert sei, gebe es zurzeit keine Alternativen zum Rauchen von Marihuana. Deswegen sei mehr Forschung √ľber die Auswirkungen des Rauchens von Marihuana notwendig. Die physiologischen Effekte von synthetischen, pflanzlichen und k√∂rpereigenen Cannabinoiden m√ľssten besser untersucht werden, auch m√ľsse mehr Forschung √ľber wirksame und sichere Verabreichungsmethoden betrieben werden. Es gebe keine schl√ľssigen Beweise f√ľr die Annahme, dass die Wirkung von Marihuana kausal mit dem Missbrauch anderer illegaler Drogen einhergehe (‚ÄěEinstiegsdrogentheorie‚Äú). Tierversuche h√§tten ein Potential f√ľr Abh√§ngigkeit gezeigt, jedoch sei dieses weniger auffallend als bei Benzodiazepinen, Opiaten, Kokain oder Nikotin. Das Gehirn entwickle eine Toleranz f√ľr Cannabinoide. Es wurden auch Entzugserscheinungen beschrieben, die aber meist mild verlaufen und kurz andauern w√ľrden, z.¬†B. Reizbarkeit, Schlafst√∂rungen und √úbelkeit.

Die fehlende Standardisierung medizinischer Cannabiszubereitungen sei einer der wesentlichsten Gr√ľnde, dass Cannabis heute keine eminente Rolle in der medizinischen Behandlung darstelle. Ende der 1980er Jahre bis Anfang der 1990er Jahre wurde entdeckt, dass es ein k√∂rpereigenes Cannabinoid-System gibt, das aus spezifischen Bindungsstellen f√ľr Cannabinoide, den Cannabinoid-Rezeptoren, besteht. Dabei sind Anandamid, 2-Arachidonyglycerol und Noladinether die drei wichtigsten Endocannabinoide. Dieses k√∂rpereigene Cannabinoid-System spielt eine signifikante Rolle bei vielen K√∂rperprozessen, wie etwa bei der Verarbeitung von Sinneseindr√ľcken, Schmerzen, bei der Regulierung des Appetits sowie des Immunsystems. Das Verst√§ndnis der nat√ľrlichen Funktionen des Cannabinoid-Systems subsumiert das Verst√§ndnis der Wirkungsmechanismen bei therapeutisch gew√ľnschten Wirkungen, wie etwa der spezifischen Schmerzlinderung.

Literatur [Bearbeiten]

  • Manfred Fankhauser: Haschisch als Medikament: Zur Bedeutung von cannabis sativa in der westlichen Medizin. Schweizerische Gesellsch. f. Gesch. d. Pharmazie, 2003, ISBN 978-3952075890.
  • Sabine Fellner, Katrin Unterreiner: Morphium, Cannabis und Cocain: Heilkunst im 19. Jahrhundert. 2.¬†Auflage. Amalthea, 2008, ISBN 978-3850026369.
  • Lester Grinspoon, James B Bakalar: Marihuana. Die verbotene Medizin. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1994, ISBN 978-3861500605.
  • Franjo Grotenhermen, Michael Karus: Cannabis als Heilmittel. Ein medizinischer Ratgeber.ISBN 978-3895332364. Die Werkstatt, 1998,
  • Franjo Grotenthermen, R Saller (Hrsg.): Cannabis und Cannabionoide in der Medizin. In: Forschende Komplement√§rmedizin. 6, Suppl. 3, Karger, 1999, ISBN 978-3805570145.
  • Franjo Grotenhermen: Hanf als Medizin: Ein praxisorientierter Ratgeber zur Anwendung von Cannabis und Dronabinol. AT Verlag, 2004, ISBN 978-3855029440.
  • Franjo Grotenhermen (Hrsg.): Cannabis und Cannabinoide: Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potenzial. 2., vollst. √ľberarb.¬†Auflage. Huber, Bern 2004, ISBN 978-3456841052.
  • Franjo Grotenhermen, Britta Reckendrees: Die Behandlung mit Cannabis und THC.ISBN 978-3037881477. Nachtschatten Verlag, 2006,
  • Geoffrey Guy, Brian Whittle, Philip Robson: The Medicinal Uses of Cannabis and Cannabinoids. Deutscher Apotheker Verlag, 2004, ISBN 978-3-7692-3254-7.
  • Institut f√ľr Demoskopie Allensbach (Hrsg.): Cannabis in der Medizin. Einstellungen der Deutschen. Ergebnisse einer Repr√§sentivbefragung. Institut f√ľr Demoskopie Allensbach, 2006 (Online verf√ľgbar).
  • Janet E. Joy, Stanley J. Watson Jr., John A. Benson, Jr (Hrsg.): Marijuana and Medicine: Assessing the Science Base. 1¬†Auflage. National Academies Press, 1999.
  • Georg Martius: Pharmakologisch-medicinische Studien √ľber den Hanf. Vwb, Reprint 1996, ISBN 978-3861354239.
  • Raphael Mechoulam (Hrsg.): Cannabinoids as Therapeutics. In: Milestones in Drug Therapy. Birkh√§user, Basel 2005, ISBN 978-3764370558.
  • Tod H. Mikuriya (Hrsg.): Marijuana: Medical Papers, 1839-1972 (Cannabis: Collected Clinical Papers). Symposium Publishing, 2007, ISBN 978-1577332190.
  • Julia M√ľller-Mangold: Nutzungsm√∂glichkeiten von cannabis sativa L. in der Medizin. GRIN Verlag, 2004, ISBN 978-3638212526.
  • Gabriel G. Nahas, Kenneth M. Sutin, David J. Harvey (Hrsg.): Marihuana and Medicine.ISBN 978-0896035935. Humana Press, 1999,
  • Lukas Radbruch, Friedemann Nauck: Cannabinoide in der Medizin. Uni-Med, Bremen 2005, ISBN 978-3895997730.
  • Christian R√§tsch: Hanf als Heilmittel. At-Verlag, 1998, ISBN 978-3855026340.

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. ‚ÜĎ Focus Online: Cannabis: Geschichte und Gesetze (gesichtet 09/2008)
  2. ‚ÜĎ Focus Online: Cannabis: Cannabis als Medizin (gesichtet 09/2008)
  3. ‚ÜĎ S√ľddeutsche Zeitung: Medizin ‚Äď Cannabis aus der Internet-Apotheke (gesichtet 09/2008)
  4. ‚ÜĎ W. Emboden: Cannabis in Ostasien ‚Äď Herkunft, Wanderung und Gebrauch. In: Rausch und Realit√§t, Drogen im Kulturvergleich, Band 2. Hrsg.: G. V√∂lger, K. von Welck, Rowohlt Taschenbuchverlag, Hamburg 1982.
  5. ‚ÜĎ O‚ÄôShaughnessy, W.B. (1839) Case of Tetanus, Cured by a Preparation of Hemp (the Cannabis indica.), Transactions of the Medical and Physical Society of Bengal 8, 1838-40, 462-469 online abrufbar
  6. ‚ÜĎ a b c Rainer-B. Volk: Therapie mit Cannabis und Co., in: Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 05/2009 vom 29. Januar 2009
  7. ‚ÜĎ Werbeanzeigen f√ľr Bromidia bei http://antiquecannabisbook.com
  8. ‚ÜĎ Drogenprofil Cannabis der Europ√§ischen Beobachtungsstelle f√ľr Drogen und Drogensucht
  9. ‚ÜĎ http://www.druglibrary.org/schaffer/library/studies/lag/lagmenu.htm
  10. ‚ÜĎ http://www.druglibrary.net/schaffer/History/murd3.htm
  11. ‚ÜĎ Datenbank der in UK zugelassenen Arzneimittel: electronic Medicines Compendium (eMC)
  12. ‚ÜĎ Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes, 19. Mai 2005 Az. 3C 17.04
  13. ‚ÜĎ Hinweise f√ľr Patientinnen und Patienten: Antrag auf Erteilung einer Ausnahmeerlaubnis nach ¬ß 3 Abs. 2 BtMG zum Erwerb von Cannabis zur Anwendung im Rahmen einer medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie (Stand: 10. Oktober 2008) [1]
  14. ‚ÜĎ Bureau voor Medicinale Cannabis (BMC): Information f√ľr Fachkreise, Stand: Mai 2009
  15. ‚ÜĎ a b c Sativex: Bericht f√ľr die √Ėffentlichkeit der britischen Zulassungsbeh√∂rde MHRA (englisch)
  16. ‚ÜĎ Produkt-Portfolio des niederl√§ndischen Bureau voor Medicinale Cannabis, auf www.cannabisbureau.nl (niederl√§ndisch)
  17. ‚ÜĎ http://www.welt.de/wissenschaft/medizin/article3213233/Erstmals-Cannabis-auf-Rezept-in-Deutschland.html ‚ÄěErstmals Cannabis auf Rezept in Deutschland‚Äú
  18. ‚ÜĎ GW Files Sativex Regulatory Submission, Pressemitteilung 20. Mai 2009 (englisch)
  19. ‚ÜĎ Institut f√ľr klinische Forschung (IKF) Berlin, Cannador¬ģ Kapseln [2]
  20. ‚ÜĎ Echo-Pharma B.V., Namisol¬ģ Sublingualtabletten [3]
  21. ‚ÜĎ Produktinformation des niederl√§ndischen Bureau voor Medicinale Cannabis
  22. ‚ÜĎ Grinspoon, Lester / Bakalar James B.: Marihuana, die verbotene Medizin, 1994, ISBN 3-86150-060-4
  23. ‚ÜĎ ‚ÄúCannabis and Medicine: Assessing the Science Base‚ÄĚ, Institute of Medicine, 1999.

Weblinks [Bearbeiten]

Von ‚Äěhttp://de.wikipedia.org/wiki/Cannabis_als_Arzneimittel‚Äú

Kategorien: Nutzhanf | Arzneimittel

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< Cannabis & Harm Reduction

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