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Artikel-Schlagworte: „growers“

“Zu Growern wurden wir, weil wir es leid waren, uns von verpickelten Teenagern ├╝ber den Tisch ziehen zu lassen”

Waldmeista hat sich mit den Eastside Growers getroffen um ein wenig mehr ├╝ber ihr Projekt zu erfahren.

H.A.: Hallo E.S.G., k├Ânnt Ihr unseren Lesern ein bi├čchen etwas dar├╝ber erz├Ąhlen, was Ihr eigentlich macht?

E.S.G.: Die Eastside Growers sind eine Gruppe von sieben erwachsenen M├Ąnnern und Frauen, die eine Cannabis Indoorkultur betreibt und sich daraus mit Gras zum Eigenverbrauch versorgt. Dazu haben wir uns ein rotierendes System aus einer Mutterbox mit acht M├╝ttern und einer Bl├╝tebox eingerichtet, aus der wir jede Woche zwei bis drei Pflanzen ernten. Eigentlich machen wir also nichts anderes, als hunderte, wenn nicht tausende anderer Grower in Deutschland. Der einzige Unterschied ist, dass wir es ├Âffentlich machen und unser Projekt unter www.eastside-growers.com online gestellt haben.

H.A.: Wie seid Ihr auf den Namen “Eastside Growers” gekommen und warum habt Ihr Euch dazu entschieden mit Euren Grows ├Âffentlich zu gehen?



E.S.G.: Der Name hat mit der Stadt zu tun, in der wir leben und anbauen. Sie wird von einem Fluss geteilt, und wir befinden uns auf der ├Âstlichen Seite. Mehr steckt nicht dahinter. Schade eigentlich. Ein bisschen mehr Mystik w├Ąre auch nicht schlecht.

Wir haben uns vor allem deshalb entschieden, den Grow ├Âffentlich zu machen, weil wir andere animieren wollen, es uns gleich zu tun. Wir glauben, dass wir nur genug sein m├╝ssen, um eine Legalisierung von Cannabis zu erzwingen. Wenn man von 80 Millionen Bundesb├╝rgern ausgeht und die offizielle Zahl des Drogenberichtes 2009 zu Grunde legt, wonach 3-5% der Deutschen zwischen 18 und 64 Jahren kiffen, dann sind das zwischen 2,4 und 4 Millionen Konsumenten. Dass die Dunkelziffer allerdings weit h├Âher liegt, und Experten mittlerweile von einem Anteil nahe 10% ausgehen, lassen wir mal dahingestellt. Gehen wir mal davon aus, dass jeder Konsument anbaut, prompt erwischt wird und zu einer Haftstrafe verurteilt wird.

Im M├Ąrz 2011 belaufen sich die Kosten f├╝r einen in Deutschland Inhaftierten auf etwa 120 Euro am Tag. Im Jahr verursacht er also Kosten in H├Âhe von 43.800 Euro. Multiplizieren wir dies nun mit 2,4 Millionen, also den offiziellen 3 %, von denen die Regierung spricht, k├Ąmen auf den Steuerzahler Kosten von 105.120.000.000 Euro pro Jahr zu – in Worten: gut 105 Milliarden. Da wir aber schlauer sind, rechnen wir nat├╝rlich mindestens mit einem Anteil von 5% gemessen an der Bev├Âlkerung, der mehr oder weniger regelm├Ą├čig zum Joint greift. Und alleine diese vier Millionen inhaftierten Grower w├╝rden den Steuerzahler rund 175,2 Milliarden Euro im Jahr kosten. Das w├╝rde den Bankrott f├╝r jedes bekannte Staatsgef├╝ge bedeuten und ist somit nicht umsetzbar. Was bleibt, ist die Kapitulation und die schrittweise Aufweichung der Prohibition von Cannabis.

H.A.: Wieviel “botanische Erfahrung” hat denn jeder einzelne von Euch mitgebracht oder hie├č bei Euch die Devise learning by doing als Ihr Euch als ESG zusammengetan habt?

E.S.G.: Die botanische Erfahrung aller ESG beschr├Ąnkte sich auf ausgedehnte Waldspazierg├Ąnge mit der Familie. Die Idee, drei Samen, die wir in schlechtem Stra├čenweed gefunden hatten, einzupflanzen, kam ├Ąu├čerst spontan und basierte auf nichts als blo├čer Hoffnung. Man kann sich unsere Freude vorstellen, als nach ein paar Tagen Fensterbank drei gr├╝ne K├Âpfchen zu sehen waren. Wir stellten sie auf die Terrasse und lie├čen sie einfach machen. Wir waren uns fast sicher, dass es die gute Supermarkt-Erde schon richten wird. Schlie├člich wachsen die Blumen in der heimischen Stube ja auch still und leise vor sich hin, ohne dass man einen gro├čen Aufwand betreiben m├╝sste.
Von der einzigen weiblichen Pflanze erhielten wir etwa zwei Gramm v├Âllig versamtes Gras, da die beiden M├Ąnnchen nat├╝rlich die ganze Zeit neben dem Girl auf der Terrasse standen. Es hat r├Ąudig geschmeckt und kaum geknallt. Aber es hat uns zu der Entscheidung gebracht, die Sache ernsthaft anzugehen. Fortan haben wir viel gelesen, viel probiert und viele, sehr viele Fehler gemacht.

H.A.: Welche Literatur zum Growen empfehlt Ihr pers├Ânlich?

E.S.G.: An erster Stelle steht f├╝r uns das Internet mit all seinen Foren und den darin gesammelten und dokumentierten Erfahrungen. Nat├╝rlich kann man sich f├╝r den Anfang auf Standardwerke wie “Marihuana drinnen” von Jorge Cervantes verlassen. Man wird aber schnell feststellen, dass sich die Erde seit 2003 ein bisschen weiter gedreht hat und das viele andere Menschen viele tolle Ideen hatten.

H.A.: Was f├╝r Sorten habt Ihr denn zur Zeit in Eurem Mutterschrank und welche Sorten befinden sich gerade in der Bl├╝te?

E.S.G.: Grunds├Ątzlich haben wir von jeder Mutter auch mindestens eine Pflanze in der Bl├╝te. Zurzeit sind wir allerdings dabei, die Bl├╝tekammer zu leeren, weil das System umziehen soll.
In der Mutterbox stehen


 

  • Critical Bilbo (Dinafem)
  • Great White Shark (Green House Seed Company)
  • Lemon Skunk (Green House Seed Company)
  • Mango (KC Brains)
  • Sensi Star (Paradise Seeds)
  • Strawberry Blue (World of Seeds)
  • Super Skunk (Sensi Seeds)
  • White Widow (Dutch Passion)

H.A.: Was sind Eure Lieblingssorten und aus welchem Grund?

E.S.G.: Unsere Lieblingssorten stehen alle in der Mutterbox. Dabei handelt es sich ausschlie├člich um Gr├Ąser, die einen Spitzengeschmack (vor allem Strawberry Blue, Mango und Lemon Skunk), einen ordentlichen Bums (an vorderster Front SensiStar, White Widow und Super Skunk) und ein tolles Aroma mitbringen. Wer all das auf sich vereinen kann, hat gute Karten, einmal in unserem System zu landen.

H.A.: Aus welchem Grund wurdet Ihr zu “Untergrundbotanikern” statt sich die Medizin/Genu├čmittel auf dem Schwarzmarkt zu besorgen?

E.S.G.: Erst einmal m├Âchten wir festhalten, dass wir zwar alle irgendwie krank sind, diese Krankheit aber nicht durch Cannabis zu heilen ist :) Wir rauchen alle rein aus Genussgr├╝nden und sprechen daher auch nicht von Cannabis als Medizin. Das soll aber nicht hei├čen, dass wir die heilende Wirkung des Krauts in Frage stellen w├╝rden – im Gegenteil.
Zu Growern wurden wir, weil wir es leid waren, uns von verpickelten Teenagern über den Tisch ziehen zu lassen, indem sie uns drittklassiges Gras zu Premiumpreisen verkaufen wollten. Die Szene hat uns zum Schluss nur noch angewidert. Als wir dann den ersten Joint aus eigener kontrollierter Zucht geraucht hatten, wussten wir, dass es für uns kein Zurück mehr gibt.  Abgesehen davon kostet uns das System im Monat inklusive aller Kosten vielleicht 75 Euro. Diesen Betrag haben wir zu Schwarzmarktzeiten an einem Wochenende verraucht, ohne uns dabei anzustrengen. Man darf sich gar nicht vorstellen, dass wir echt mal Joints für fünf Euro geraucht haben. Heute kostet uns die Tüte maximal ein Euro.

H.A.: Was sind Eure gr├Â├čten Sorgen beim Anbau von Cannabis (f├╝r den Eigengebrauch)?

E.S.G.: Die gr├Â├čte Sorge ist, dass die Rotation zusammenbricht und wir eines Tages ohne Gras dastehen :) Alles andere ist nicht so wild, als dass es uns Sorgen bereiten w├╝rde. Wir haben mittlerweile viel gesehen und viel Erfahrungen gesammelt, sodass wir selten ratlos vor einem Problem stehen. Dabei sind uns nat├╝rlich auch die vielen Helfer und Ratgeber aus unserem weltweiten Cannabis-Netzwerk behilflich. Echt Sorgen gibt es also nicht.
Wenn die Frage auf die Staatsmacht bezogen ist, so l├Ąsst uns auch diese Gefahr ziemlich kalt, da wir alle darauf vorbereitet sind, dass es eines Tages schief gehen kann und man uns f├╝r einige Zeit aus dem Verkehr zieht. Solange sich in der Zeit jemand darum k├╝mmert, dass unsere Genetik erhalten bleibt – und daf├╝r ist doppelt und dreifach gesorgt – werden wir die Auszeit auf Staatskosten nutzen, das n├Ąchste System zu planen.

H.A.: Was haltet Ihr von den bereits etablierten Cannabis Social Clubs z.B. in Belgien und Spanien, bzw. seht Ihr Euch selbst als Pioniere von CSC in Deutschland?

E.S.G.: Nein, die ESG sehen sich nicht als Pioniere eines CSC in Deutschland, obwohl unser Name in letzter Zeit in der Fachpresse und im Netz europaweit damit in Verbindung gebracht wurde. Wir sind kein wie auch immer gearteter Verein. Wir sind vielmehr langj├Ąhrige Freunde, die zum Teil bereits gemeinsam die Schule besucht haben.
F├╝r uns pers├Ânlich k├Ânnen CSC nur ein erster Schritt sein, um Cannabis zur├╝ck ins Bewusstsein der Bev├Âlkerung zu bringen und die Akzeptanz zu erh├Âhen. Eine endg├╝ltige L├Âsung k├Ânnen sie f├╝r uns aber nicht darstellen, da es eine fortgesetzte staatliche Kontrolle geben w├╝rde, die wir im Zusammenhang mit unseren K├Ârpern aber schlichtweg ablehnen. Wir m├Âchten uns nicht vorschreiben lassen, wann wir wo und wie viel Cannabis konsumieren d├╝rfen.

H.A.: Wenn Cannabis ab morgen wieder v├Âllig legal w├Ąre und angebaut, verkauft und konsumiert w├╝rden d├╝rfte und es keine staatlich repressiven Verbote mehr g├Ąbe, was w├╝rdet Ihr als ESG in solch einer Gesellschaft am liebsten tun?

E.S.G.: Was f├╝r eine sch├Âne Frage! Und doch bleibt uns nichts ├╝brig, als die langweiligste Antwort der Welt zu geben: Es w├╝rde sich nichts ├Ąndern. Wir w├╝rden weiterhin morgens fr├╝h aufstehen, uns um unsere Kinder und Tiere k├╝mmern, zur Arbeit gehen und anschlie├čend unsere Frauen verw├Âhnen. Wir w├╝rden weiterhin unserer ehrenamtliche Arbeit in diversen Vereinen nachkommen und den Nachbarn bei der Gartenarbeit helfen. Und nebenbei w├╝rden wir weiterhin unsere Mutterpflanzen beschneiden, Stecklinge bewurzeln und in die Bl├╝te schicken.
Wahrscheinlich w├╝rden wir aber auch versuchen, so etwas wie einen Growerstammtisch in unserer Stadt einzurichten, an dem die Grower aus der Umgebung zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch zusammenkommen k├Ânnten. Sehr sch├Ân w├Ąren auch ├Âffentliche Stecklingsb├Ârsen, auf denen Grower ihre Genetik untereinander tauschen k├Ânnten. Wahrscheinlich w├╝rden wir zu kleinen Growseminaren in die Stadthalle einladen, um jedem Konsumenten zu zeigen, wie einfach und g├╝nstig man sich das beste Gras besorgen kann, ohne nur einen Schritt auf dem Schwarzmarkt gemacht zu haben. Sch├Ân w├Ąre es auch, wenn man zu Cannabismessen nicht mehr nach Holland, Spanien oder nach Tschechien reisen m├╝sste, um die neuesten Entwicklungen auf dem Markt zu bestaunen.
Aber wirklich etwas ├Ąndern w├╝rde sich f├╝r uns nicht, da wir schon heute ein Leben f├╝hren, wie wir es uns w├╝nschen.

H.A.: Habt Ihr irgendeine Botschaft oder noch einen Tipp f├╝r unsere Leser?

E.S.G.: Wir w├╝nschen uns, dass endlich Schluss gemacht wird mit dem Versteckspiel in Deutschland. Wir alle w├╝rden schon einen gro├čen Schritt vorw├Ąrts kommen, wenn jeder Konsument auch zu seinem Konsum stehen w├╝rde. Schlie├člich ist der ja nicht mal strafbar. Abgesehen davon: Stay green and say no to Drugs!

Wir danken Euch f├╝r dieses Interview und w├╝nschen Euch alles Gute!

 

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